g20k - Dilettanten gesucht

dilettarsi, ital. = sich erfreuen, herumbasteln

Bild des mechanischen Drachen Long Ma von LeMachine, Nantes

Ich will Drachen bauen… aber nicht nur!

Wäre es nicht großartig, in einer Gesellschaft zu leben, wo es völlig normal ist, solche Dinge wie mechanische Feuer spuckende Drachen zu schaffen, ohne sie mit einem „Sponsored by“ versehen zu müssen?

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Gehirn

Hypodingsbums – Ein bemerkenswertes Selbstgespräch II

Vorspann

Vor meinen Augen beginnt es regenbbogenfarben zu schillern. Meine Knie werden weich und während ich nach hinten taumle und falle, spüre ich die meinen Fall etwas bremsenden stützenden Hände der Rezeptionistin. Nachdem ich etwas Sandsack-ähnlich auf dem Boden aufgesessen bin, haucht sie mir mit dämonischem Lächeln ein „have a wonderful time“ ins Ohr.

Hypodingsbums

„Hoppla, jetzt hättest du dich fast auf mich draufgesetzt!“, protestiert eine leicht quäkende Stimme neben mir. Durch die Hustenattacke muss mir schwindelig geworden sein. Mein Gesäß schmerzt ein wenig.

„Erst walzt er mich fast platt und dann ignoriert mich dieser Idiot auch noch!“, quäkt es weiter.

Ich schaue mich um, orientiere mich und bin verwundert. Ich befinde mich im gleichen Raum, aber es ist als hätte mir jemand einen wabernden Filter vor die Pupillen geschoben, der zu allen natürlichen Farben ein psychedelisches Pendant findet. War zuvor der Raum in ein sanftes türkises Licht getaucht, so hat er nun eine deutlich orange-gelbliche Färbung. Die zuvor satt-grünen Gräser, Moose und Farne erstrahlen nun leuchtend-rot und Pfützen und Schlick wabern in dunkel-violetten Tönen mit pinken Reflexionen.

„Hey, Schwachkopf, ich rede mit dir! Das ist doch echt nicht zu fassen!“

Nun gelingt es mir endlich lokalisieren, wer mich da sprichwörtlich schief von der Seite anquatscht. In einem verschlungenen Gekröse-Haufen gelingt es mir, eine zu den Schallwellen passende Bewegung auszumachen. Erstaunt stelle ich fest, das neongrün-blaues Gekröse weit weniger abstoßend und ekelig wirkt als normales rosanes oder gar grün-gelblich-gräuliches Gewebe. Vorsichtig greife ich in den organischen Schmodder. Wie eine in Fäden verhedderte Marionette befördere ich ein absonderliches – nennen wir es ‚Wesen‘ – zutage. Wesen trifft es ebenso gut, wie man in einer Wolkenformation einen Drachen oder Hasen erkennt. Hier die Augen, da ein zusammengezogener Mund. Dieser kleine Dorn die Nase. Gesichter-Erkennung ist schon eine absonderliche Fähigkeit des Geistes!

Vorsichtig entwirre ich das Bündel, umfasse die glipschig weiche Struktur am hinteren Teil des „Kopfes“ mit der einen und stütze den „Hals“ behutsam mit der anderen Hand. Das dabei nun ertönende Stöhnen und Grunzen lässt dann nachträglich doch noch ein bisschen Ekel aufkommen.

„Aaah, endlich! Jaaaa, gut! Weiter!“

Ich hebe die Kreatur an und lasse die endlos vielen Ausfaserungen nach unten fallen, wie Spaghetti an einer Nudelzange. Nun entworren,  lege ich das Gekröse zwischen meinen Knien ab, mit dem, was ich für die Front-Seite halte, nach vorn. Dieses Etwas erinnert mich auf eigentümliche Weise  an meine Biopsychologie-Vorlesung an der Uni.

„Soooo hättest du dir mich nicht vorgestellt, was?“

„Wer bist du überhaupt?“
„Da hat er wieder gepennt in der Veranstaltung und selbst die farbigen Abbildungen im Birbaumer hat er sich nur mit halber Aufmerksamkeit angesehen! Jämmerlich!“

Nun geht mir ein Licht auf:

  • die großen hellbraunen Glupschaugen mit den großen imaginierten Pupillen – der Thalamus
  • die fleischigen Augenbrauen-Wülste drum herum: Pallidum und Globus Pallidus
  • die sich in der Mitte nach vorne biegenden Röhrchen mit rundem Knubbel am Ende: Fornix und Mamillarkörper
  • der kugelige Dorn, der dazwischen nach vorne ragt: Bulbus Olfactorius
  • der Teil, in den ich mir den kleinen Mund hineinimaginiere und der das seltsame Gesicht nach unten hin abschließt: die Pons
  • die sich nach vorn herausstülpenden… hm… „Bäckchen“: die Hippocampi mit der Amygdala als vorderen Teil;
  • das kleine Säckchen, das mittig unterhalb der Augen zu sehen ist: die Hypophyse
  • die dicke gekräuselte weiche Struktur hinten: das Cerebellum alias Kleinhirn und schließlich
  • die vielen Fasern und der deutlich erkennbare etwas stärkere mittlere Strang – Rückenmark die zwölf Hirn-Nerven, Spinal-Nerven und Spinal-Ganglien.

Krass!

Gleichzeitig wird mir bewusst, dass sich mein Kopf plötzlich um einiges leichter anfühlt – geradezu halb leer. „Du bist…“

„Jawohl, ich bin Dein limbisches System!“

Warum schneidet mir dieses blöde Gekröse dauernd das Wort ab? „Klatschen kann ich grad nicht“, grunzt es mir entgegen. „Mann, hat das lange gedauert, aber besser spät als nie, ne?“ Der von mir imaginierte Mund verzieht sich zu einem gequälten Grinsen.

„Mögen mir die Götter gnädig sein!“, flüstere ich zu mir selbst, „ich beherberge ein glupschiges Etwas, das mit der Stimme von Waldorf spricht, einem der beiden alten Herren auf dem Balkon in der Muppet Show!“

„Und was soll dieses ganze Theater hier jetzt?“, frage ich.

„Das fragst du mich? Ich bin doch Deine Halluzination!“

Wieder Stille. „Passt dem feinen Herrn die Atmosphäre hier unten nicht?“
Tatsächlich war es mir ein bisschen zu feucht und zu kühl in diesem Kellerloch geworden.

Und ehe ich zu einem „Joah…“ ansetzen kann, finde ich mich in einem viktorianischen Ballsaal wieder, genau genommen: dem Ballsaal aus Stanley Kubricks Overlook-Hotel. Der Bar-Keeper in perfekt gebügeltem Smoking, jetzt fast menschlich, grinst mich an: „Ich hab mir auch mal was Bequemeres angezogen“.

Fortsetzung folgt

Astronautenkost

Astronautenkost – Dictyostelium in der Praxis

Astronautenkost …

… an diesem Beispiel möchte ich praktisch werden. Wie könnten Menschen ähnlich dem Schleimpilz Dictyostelium zusammenarbeiten? Wie könnten sich zusammenarbeitende Dilettanten in Gruppen zusammenfinden? Ist ja schließlich blöd, den Status Quo zu kritieren, ohne eine Alternative zu liefern.

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Auf der Jagd

Auf der Jagd

Sehnen sich Ihre grauen Zellen nach einer ordentlichen Jagd? Sehnen sie sich danach,  das Opfer mit Argumenten in die Enge zu treiben, bis es dankbar sein Fehlen eingesteht?
Ihr kognitiver Schießstand ist eingerostet und es dürstet Ihnen danach, mal wieder Ihr komplettes Arsenal an Argumenten abzuschießen?
Ihre Tatzen tun weh vom dauernden Streicheln und ihre verbalen Krallen müssen mal wieder geschärft werden?

Für einen lächerlichen Stundentarif von 100 Euro bin ich Ihr menschlicher Kratzbaum. Gegen einen Aufpreis von 500 Euro zuzüglich Behandlungskosten bin ich sogar für tätliche Auseinandersetzungen buchbar.

Ihre Gruppe wird sich selten so zusammengehörig fühlen wie nach meinem Besuch!

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Hinab in die von Bioluminiszenz erleuchtete Grotte

Hinab – Ein bemerkenswertes Selbstgespräch I

Hinab

Wo bin ich?

„Oh, Sie sehen ja übel zermartert aus!“ höre ich, als ich die Augen aufschlage.
Ich liege auf einem Hotelbett, in voller Montur, die Füße samt Schuhen über das Fuß-Ende baumelnd, neben mir die adrette Dame vom Empfang, die mich voller Sorge betrachtet.

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Das Gericht hat sein Urteil gesprochen und es exekutiert. Der Angeklagte ist in der Kryo-Kammer eingefroren.

Reingezappt: Vor Gericht

Mitten reingezappt, ins Gericht. Ins Fernseh-Gericht.
Endlich Urlaub, ein paar Tage bei meinen Eltern, Computerprobleme lösen, wieder Kind sein. Und schon ertappe ich mich vormittags um 11 dabei, vor dem Fernseher zu sitzen, im Arbeitszimmer meines Vaters. Genau dort sitze ich, wo ich 25 Jahre vorher etwa genau zu dieser Tageszeit in den Sommerferien auch gesessen haben könnte. Von Nostalgie überwältigt beschließe ich, zumindest für ein paar Minuten die alten Zeiten wieder aufleben zu lassen und die Gerichtsshow weiterzuschauen.

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Gretchenfrage

Die Gretchenfrage

Von wegen Gretchenfrage! Ich bin kein Agnostiker. Mir reicht es nicht festzustellen, dass ich doch gar nicht wissen kann, ob es so etwas wie einen Gott gibt. Atheist bin ich. Ich habe entschieden, dass es für mich keinen Gott gibt. Ich habe mich entschieden, dass ich so leben will als gebe es keinen. Und selbst wenn es dann doch noch einen gäbe,  der sich hinter einer kosmischen Wolke versteckte, dann lebte ich doch lieber so als gebe es keinen.

Nur die halbe Wahrheit

Aber das ist nur die halbe Wahrheit, nur eine Ausflucht. So klar ich die Gretchenfrage beantworte, so sehr verfolgt sie mich doch weiter.

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Dictyostelium

Dictyostelium – Biologie der Arbeitswelt

Schon mal an sich reproduzierende Proteine, Schleimpilze oder Brachiosauren gedacht, während Gedanken zur Arbeitswelt durch den Kopf fliegen? Nein? Komisch, eigentlich. Dabei haben doch Existenzgründer so viel mit den Vorstufen von Proteinen zu tun. Konzerne lassen sich gut mit den größten und schwersten Pflanzenfressern vergleichen, die unsere Erde je beherbergt hat. Und dann gibt es noch die bewundernswerten Schleimpilze der Gattung Dictyostelium.

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ikigai

Ikigai – „Sinn des Lebens“ mal anders

Ikigai? Noch nie gehört? Ich auch bis vor kurzem nicht. Es gibt „Neuigkeiten“, bei denen ist es eigentlich eine Schande, dass sie als Neuigkeiten gelten. Ikigai (ei-ki-gä-ai ausgesprochen) ist so eine.

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Das Liederfest - Üldlaulupidu

Üld-Üldlaulupidu – das globale Liederfest

Ich versteh nur Üldlaulupidu!

Alle fünf Jahre kommen die Esten seit Mitte des 19.Jahrhunderts auf dem Üldlaulupidu zusammen. Mit hunderten Chören feiern sie sich und ihre Traditionen.

Was wäre der nächste Schritt? Geht so etwas auch weltweit? Warum nicht! Müsste halt nur genug Menschen geben, die in so einer weltweiten Menschheitsfeier einen Sinn sähen… Dilettanten und Insulaner vielleicht?

Tausende Menschen aus vielen Ländern wählen über’s Netz Chor-Stücke der verschiedensten Musik-Stile aus. Sie bereiten sich in hunderten kleiner Chöre und Bands über mehrere Monate vor. Und schließlich treffen sie sich, drei Tage lang, an dem Ort, an dem die Esten bereits diese Tradition betreiben!

Aber hier wird nicht ein Land, hier wird der Mensch an sich gefeiert! Grund gibt es genug, seine kulturellen, seine sozialen, seine wissenschaftlichen und technischen Leistungen zum Beispiel. Hier wird gefeiert, dass die Menschheit schon viel geschafft hat: Pokemon Go, in weiße Folie eingepackte Parlamentsgebäude und Eigelb aus der Tube, zum Beispiel. Ein oder zwei Dinge zu erledigen gibt es natürlich auch noch, auch darüber kann man mal sprechen. Und es geht um Gemeinsamkeiten, gemeinsame Melodien und Texte zum  Beispiel.

In 10 oder 15 Jahren möchte ich auf dem Weg zum Flughafen von Talinn im Bus sitzen. So schnell vorbei ging es, das Üld-Üldlaulupidu! Aus dem Fenster möchte ich schauen und meinen Gedanken nachhängen…

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