Die Vergessenen. Wir haben sie unter uns. Viele von uns haben vielleicht den Kontakt zu ihnen verloren mit dem Wechsel aufs Gymnasium oder später. In manchen Dörfern geben sie den Ton an.  Aber die Hecke ist hoch und in die Dorfkneipe muss man ja nicht. Beim Bäcker hören wir Gesprächsfetzen und wenden uns schnell zum Gehen. Bei Facebook haben wir noch die letzten von ihnen nach einem zu rechtslastigen Post aus dem Freundeskreis geworfen. Problem gelöst. An der BILD erkennt man sie nicht mehr, denn sie lassen sich heute von der YouTube- und Facebook-Blase “informieren”.

Sachsen, Gastarbeiterkinder und perspektivlose Fischer in Cornwall

Es gibt sie überall. Sie sind in Sachsen, sie sind an vielen anderen Orte in Biodeutschland, sie wählen die FPÖ in Österreich, sind unter den Nachkommen der türkischen Gastarbeiter und unter den heutigen Flüchtlingen, sie sind im Brexit-England, in den Nato-Draht bestellenden Ländern Osteuropas und in den Trump-USA.

Der Nährboden, auf dem die Verbitterung um sich greift, das sind die Plätze, an denen die Angst vor dem Absturz nagt, an denen Menschen abgehängt werden, wo man die Vergangenheit der Gegenwart vorzieht, wo Erziehung gescheitert ist und Schule versagt hat – manchmal trotz Einser- oder Zweier-Abi. Es ist dort, wo gleich die Meinung genommen wird, wenn die Information zu kompliziert und uneinheitlich ist, nur dass diese Meinung heute nicht mehr aus der BILD, sondern aus dem Internet kommt. Das Unheil wächst dort heran, wo gelehrt wird, dass Zucht und Ordnung über alles gehen und es ist natürlich “unsere” Ordnung. Die Probleme entstehen, wo der Neoliberalismus seine Furchen hinterlassen hat, wo man sich selbst am nächsten ist, statt die Perspektive auch mal auf das Wohl der anderen zu legen.

Aber was sind das für Menschen, die Vergessenen?

Es sind Menschen,

  • die selbst bitter sind – was auch immer die konkreten Erfahrungen gewesen sein mögen, die dazu geführt haben.
  • die sich gern als überlegen empfinden würden, die sich aber viel öfter unterlegen fühlen. Wohl dem, der einen Unterlegenheitskompensator im Schrank hat.
  • für die alles “ganz einfach” ist, obwohl eigentlich gar nix “ganz einfach” ist und je weniger “ganz einfach” die Nachrichtenlage wird, umso “ganz einfacher” werden ihre YouTube-Abonnements und ihre Forderungen.
  • die sich generell damit schwer tun, sich in andere hineinzuversetzen. Dass jemand Männer statt Frauen attraktiv finden könnte? Unvorstellbar. Dass eine Frau sich fühlt, als sei sie im Körper eines Mannes? Außerhalb der Imagination.
  • die keine Spielräume haben, auf Neues und Ungewohntes positiv zu reagieren. Vielleicht zeigt sich das bei Kunst am einfachsten: “Der Picasso, ja klar, das ist ein Künstler, obwohl ich mit seinen Bildern nix anfangen kann. Dieser neumodische Quatsch aber, wie soll das denn Kunst sein?”
  • die klare Regeln und Hierarchien brauchen, weil es ihnen Angst macht, selbst beurteilen zu müssen, ob etwas richtig oder falsch ist.
  • die nur sehr begrenzt Fremdsprachen sprechen und deren Kulturbegriff auf die eigene Kultur beschränkt ist. Der Rest ist Exotik. Trotzdem weiß man natürlich über “den Afrikaner”, “den Araber” oder “den Chinesen” bestens Bescheid. Zum Glück haben wir Ethnologen wie Günther Öttinger oder Gerd Müller.
  • die nicht verstehen, wie unser kompliziertes Justizsystem funktioniert und die deshalb lieber zu “einfacheren Formen” zurückkehren wollten – am besten Zahn um Zahn und mit viel Genugtuung für die Opfer.
  • die all zu leicht Dinge glauben, zumal wenn sie verboten unglaublich und verwegen klingen, aber doch ganz verblüffend so gut wie alles erklären. Man wird ja wohl noch “hinterfragen” dürfen!

Sind diese Menschen gefährlich?

Klar. In zweierlei Hinsicht:

  • wenn sie – am besten noch besoffen – in Gruppen auftreten. Zum Glück tun das die wenigsten. Und die, die es tun sind meist polizeibekannt. Das beruhigt, zugegeben, nur begrenzt, wenn die Polizei selbst auf dem rechten Auge blind ist.
  • wenn sie an der Wahlurne stehen, zumal wenn sie den Demoskopen eben nicht erzählt haben, wen sie wählen werden.

Und die Hassmails und Hass-Kommentare?

Sicher, dieser ganze Müll kostet unzählige Menschen Lebensenergie. Staatsanwaltschaften werden dadurch beansprucht und Journalisten und Politiker eingeschüchtert und in ihrer Arbeit behindert.

Andererseits – egal, ob Renate Künast mit dem Spiegel oder Florian Klenk vom österreichischen Wochenmagazin Falter – eigentlich ist es großartig, dass sich viele der armen Bitterkeits-Nachrichtenblasen-Würstchen auf diese Weise zu erkennen geben und man die Gelegenheit hat nachzuhaken. Ich hoffe, dass dieses journalistische Format in den nächsten Monaten noch viel öfter ausgeschöpft wird. Vielleicht ist das die beste Keule gegen die umsichgreifenden faschistischen Ideen, die sich bietet…

Können wir diese Menschen bekämpfen?

Ja, bekämpfen. Das fühlt sich gut an. Schluss mit dem Warmduschen und Herumreden. Schluss mit “die Vergessenen”. Das sind Nazis. Sexisten. Rassisten. Pack!

Gut, vielleicht lassen sich die Rattenfänger bekämpfen. Man sollte sich allerdings nicht wundern, wenn es ist wie mit dem Schimmelpilz an der feuchten Wand oder den Taliban am Hindukusch. Ein Besiegter und fünf Neue haben sich erhoben. Eine Wand ist gereinigt und schon sprießt der Schimmel an anderer Stelle.

Diese Menschen sind gefangen in ihrer illusorischen Nachrichten-Blase. Sie haben jeden Tag das Gefühl, auf der Verliererseite zu sein. Mutti Merkel grollen sie, weil sie “das Chaos ins Land gelassen hat”, aber von den baldigen Heerscharen an Klimaflüchtlingen machen sie sich keine Vorstellung. Sie haben jeden Tag das Gefühl, dass sie ausgebeutet, beschissen und benachteiligt werden. Wir, die elitären Gutmenschen, haben doch schon “gewonnen”. Genau das ist doch das Problem. Der Kulturkampf ist doch längst gewonnen. Aber die Menschen bleiben. Und die Verbitterung, die wird größer.

Das heißt nicht, dass man nicht einschreiten sollte, wenn gehetzt wird. In Hinterzimmern laufen schlimme Dinge, von denen selbst der Staatsschutz nichts wissen will.

Es bedeutet nicht, dass man ihnen Recht gibt und sie einfach machen lässt. Und natürlich ist jede verhinderte Rede im Vereinsheim, jedes verhinderte Konzert und jede beschlagnahmte CD eine Gelegenheit weniger, Schmutz zu verbreiten. Bezüglich der Leute, die schon zu diesen Denkmustern tendieren oder die schon “auf Spur” sind, dürfte das allerdings so gut wie gar nichts bewirken. Und so ist die Frage:

Wollen wir uns gut fühlen oder wollen wir darauf hinwirken, Meinungen zu verändern?

Wer bitteschön hat denn schon jemals seine Meinung geändert, weil in der Gegendemo fünf Mal so viele Leute mitgelaufen sind. Bei den Vergessenen wird das nicht viel anders sein.

Habe ich mit dem Rauchen aufgehört, weil mir mein Vater fünf mal am Tag gesagt hat, dass das scheiße ist? Respektiere ich ihn deshalb auch nur ein bisschen mehr?

Wann hab ich nen Standpunkt geändert, weil sich jemand über die Rechtschreibfehler und falsch benutzten Fremdwörter in meinem Post lustig gemacht hat?

Ja, das alles erleichtert ungemein. Aber das wirkliche Problem löst es nicht.

Aber wann ändere ich meine Meinung? Wann lasse ich Argumente gelten?
Vor allem dann, wenn sie mir jemand präsentiert, als koste es nix.

Oft ist ein Meinungswechsel schlicht dann am erfolgreichsten, wenn ich zur Ansicht gelange, dass ich ganz allein meine Meinung geändert habe, dass es meine ganz eigene Idee war.Mag sein, dass es Monate oder Jahre dauert. Aber wer kann es schneller erzwingen?

Es kann auch helfen, in einem Punkt entschieden zu widersprechen (z.B. wenn es um “die Flüchtlinge” geht), um dann im nächsten Punkt zuzustimmen (wenn es um marode Schulen geht). Es kann helfen, selbst dann cool zu bleiben, wenn der andere beleidigend wird. Was schließlich gibt es Souveräneres?!

Wenn ich dann noch das Gleiche auch von anderen höre, dann wächst die Wahrscheinlichkeit zusätzlich, dass ein paar Lichter angehen. Aber erzwingen kann man es halt nicht…

Was also löst das Problem? Raumklima!

Wir hatten die Schimmel-Metapher. Sie trägt erstaunlich weit, was die Vergessenen betrifft. Ja, die dicken schwarzen Stellen müssen vermutlich mit Chlorbleiche eingesprüht und entfernt werden. Da sind konsequente Taten gefordert. Aber die eigentliche Lösung des Problems hat nichts mit hektischem Saubermachen zu tun. Sie hat damit zu tun, das Raumklima zu ändern, kontraintuitiv Gewohnheiten zu ändern. 5 Minuten Stoßlüften und dann auf 20 Grad hochheizen ist besser, als 2 Stunden lang die Fenster gekippt halten. Und plötzlich ist der Schimmel nicht mehr da.
Und was bedeutet das jetzt für die Vergessenen?

Ins Gespräch kommen

Vermutlich müssten wir als erstes das machen, was Michel Abdollahi in Jamel gemacht hat oder Renate Künast zusammen mit dem Magazin “Der Spiegel”.

  • Wir müssten mit Hugo ein Bier trinken und ihm, wenn er Vertrauen gefasst hat, den Brief vom Jobcenter erklären.
  • Wir müssten Gabi bei der Kinderbetreuung helfen und ihr mit den Anträgen unter die Arme greifen. Dann würden wir vermutlich auch sehr schnell hören:” Ich dachte, du bist ein abgehobenes arrogantes Arschloch. Aber biste ja gar nicht.”

Darüber sprechen, was nützt, statt was Geld einbringt

Das mit dem Gespräch suchen ist nett. So richtig viel Lust hätt ich dazu aber nicht, zumindest in der mühsam erkämpften Freizeit nicht. Andererseits hätt ich jetzt kein Problem damit, einen Teil meiner beruflichen Tätigkeit damit zu verbringen, bei Leuten den PC in Ordnung zu bringen und den Drucker einzurichten und dabei ins Gespräch zu kommen. Das macht sicher mehr Spaß als Features für einen Webshop zu entwickeln, die dann doch keiner so richtig wahrnimmt. Aber da kommen wir dann schon zum Witz des Ganzen:

Niemand findet es seltsam, dass man Geld verdienen kann, indem man den ganzen Tag unnütz Werbebroschüren verteilt oder per Telefon Leute zu Hause mit Verkaufsgesprächen belästigt. Wenn das Modell aber darin bestünde, Dienstleistung X anzubieten und dabei mit “Abgehängten” ins Gespräch kommen, dann klingt das hochgradig seltsam. Es würde die Demokratie retten, aber rentiert es sich denn? Das ist ja schon fast so abwegig wenig Arbeit wie alten Leuten vorzulesen oder ihnen zuzuhören.

Wir brauchen mehr Menschen, die ihr Geld mit so etwas verdienen wollen und die sich über solche Ideen Gedanken machen, statt dauernd neue Marketing-Säue und Geldanlage-Tipps wie die Sau durchs Dorf zu treiben. Wir brauchen Vereine, die sich engagieren und wir müssen die Leute, die sich engagieren so entlohnen, dass sie auch ihr Leben damit finanzieren können. Besonders einfach und unbürokratisch wäre das natürlich mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen oder einer negativen Einkommensteuer zu erreichen.

Die schwarze Null

Schön wir sparen. Aber wofür eigentlich? Dafür, dass die AfD mehr Geld in der Staatskasse hat, sobald sie den Laden übernimmt? Unrealistisch? Muss man dazusagen, von wem die folgenden Wahlergebnisse sind?

| 1924 | 3%
| 1928 | 2,6%
| 1930 | 18%
| 1932 | 37%
| 1933 | 44%

Vielleicht sollten wir die schwarze Null vergessen, erst mal. In einer Welt der Trumps, Erdogans und Putins könnte es ggf. Wichtigeres geben.

Sozialer Wohnungsbau und ÖPN

Es würde ja nicht nur den Flüchtlingen helfen, sondern auch Studenten und den von Gentrifizierung Geplagten. Wenn dann noch ein vielleicht sogar von allen gemeinsam finanzierter gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr dazukäme, dann wäre das auch vielleicht gar nicht mehr so schlimm, nicht direkt im Zentrum zu wohnen.

Schulen

Können wir uns bitte endlich um die Schulen kümmern? In Finnland werden jetzt die Schulfächer abgeschafft und bei uns ist das Problem, dass in den Toiletten der Putz von den Decken fällt? Und warum bitte werden Reformschulen z.B. in Bayern immer noch als Bedrohung wahrgenommen? Warum profitieren gerade die “Prekären” nicht von besseren Formen der Wissens- und Fähigkeitsvermittlung? Weshalb werden Reformschulen als (unangemessene) Kritik am staatlichen Schulsystem gewertet, schikaniert und eingedämmt, statt die Vielfalt zu fördern?

Polizisten statt Bürgerwehren

Viele Orte, nicht nur im Osten, brauchen Polizisten statt Bürgerwehren, selbst wenn sich ein Teil der Jobs als die langweiligsten der Welt erweisen sollten. Wenn es keine Gauner gibt, dann kann man ja immer noch das Gespräch suchen. Insofern wär’s natürlich praktisch, wenn nicht der Schriftführer der AfD zum Polizisten würde, sondern eher eine Transgender-Kampfmaschine mit anatolischen Wurzeln.

Lebenslanges Lernen

Vielleicht sollten bestimmte Bildungsangebote, insbesondere Bildungsurlaub so hochgradig subventioniert werden wie der Export von Hühnerbeinen nach Afrika. Vielleicht sollte es normal oder sogar speziell gefördert sein, dass ITler einen Monat bei der städtischen Müllabfuhr arbeiten, während die Leute dort in der Zwischenzeit eine Schulung in der IT-Firma bekommen? Oder wie wäre so ein Austausch mit Behörden? Vermutlich ist jede Maßnahme goldrichtig, solange dabei rüberkommt, dass wir alle in einem großen staatlichen Boot sitzen und jede Brücke und jedes Gespräch weiterhilft.

Bildung: Gesamtschulkonzept ausbauen

Ist es vielleicht doch hochgradig falsch, dass wir schon sehr früh “aussieben”? Vielleicht gilt genau das, was für das Kind mit dem Downsyndrom gilt, auch für den anderen “Vergessenen”, nur dass es da nicht so sehr auffällt? Viele der Klassenkameraden aus der 1. bis 4. Klasse habe ich danach nie wieder gesehen. Sind es vielleicht gerade die notwendigen Skills, dem, der ein bisschen länger braucht, die Aufgabe so zu erklären, dass auch er sie versteht. Liegt die Lösung vielleicht darin, einen Kompromiss zu finden, wie die einen schon mal vorpreschen können und die anderen dann doch mitgenommen werden?

Bildung: Neugier und Soft Skills

Was wüsste ich heute nicht alles über Geschichte, wenn mir meine Lehrer mehr Neugier auf Geschichte gemacht hätten, statt mir Jahreszahlen und Verfassungsversionen einzubläuen? Wie viel hilfreicher wäre es gewesen, von einem Waldspaziergang mit 1000 Fragen heimzukommen, statt den Zitronensäurecyclus auswendig gelernt zu haben? Und vermutlich hätte sich mein kognitiv etwas langsamerer Kollege sehr wertgeschätzt gefühlt, wenn ich ihn dafür bewundert hätte, wie schnell er in die Baumkrone hinaufklettern kann. Vielleicht könnte sogar ich heute besser klettern. Und da haben wir noch gar nicht über Theater und Musik geredet. Ob ein Kind wohl noch irgendwann in seinem Leben “Scheiss Kunst!” rufen kann, wenn es bei so etwas wie “Le sacre du printemps” mitgewirkt hat?

Wenn sich ein Schüler während seiner Schulzeit in zehn klassische und moderne Theaterfiguren hineinversetzt hätte, ihre Gedanken zu seinen eigenen gemacht hätte, ganze Textstellen noch auswendig könnte, würde es ihm nicht viel leichter fallen, andere Standpunkte einzunehmen? Gibt es einen Schüler, der nicht davon angefixt wird, wenn er im großen Chor der Carmina Burana “O fortuna” schmettert? Gibt es eine bessere Art zu zeigen, wie viele Einzelne zusammen etwas großartiges schaffen können, wenn sie nur die Geduld und Ausdauer dafür aufbringen?

Bedingungsloses Grundeinkommen

Ich würde die Wette eingehen, dass in der bitteren Story fast jedes Abgehängten irgendwo “der Staat” vorkommt, der einen ausbeutet. “In die Hosentaschen und Geldbörsen schaut er rein. Kaum Unterstützung, aber Anträge, Anträge, Anträge. Die feinen Herren Politiker, die haben den kleinen Mann ja längst vergessen.”

Was für ein Rauschen im Gebälk gäbe es, würde dieser Staat die Kontroll-Aktionen streichen und stattdessen 1000 Euro monatlich auf den Fliesentisch legen. Vielen wäre die Grundlage des Jammerns entzogen:

“Mist. Grade war ich noch Rebell. Jetzt wird einem sogar noch das genommen. Die Zigarette auf der Couch schmeckt nicht mehr. Und dann kommt da auch noch diese Frau vorbei und will gar nix, außer mich zu fragen, ob ich denn nicht noch irgendwann ein anderes Ziel hatte als auf der Couch zu sitzen. Ausgelacht und weggeschickt hab ich sie. Aber als sie weg war, war mir doch mulmig zumute. Autos reparieren. Das wär’ ja schon mein Ding gewesen, damals.”

Und was machen wir mit den Informationsblasen?

Meine traurige Vermutung ist: wenn es die BILD nach mehr als 65 Jahren noch gibt, dann werden auch die zahllosen kleinen Falschnachrichten-Provider kaum zur Strecke zu bringen sein. Vielleicht können die Kollegen von den journalistischen Blättern dafür sorgen, dass den Nebelkerzen Fakten entgegnet werden und dass Lügen und Halbwahrheiten entlarvt werden.

Die Junkies aus den Informationsblasen wird man aber wohl nur sehr bedingt eines besseren belehren.

Hat jemand weitere Ideen?

Und wenn wir weitermachen?

Mit viel Glück passiert hoffentlich nichts. Alles löst sich von selbst in Wohlgefallen aus. Und dank sensationeller technischer Errungenschaften kann sogar die Klima-Erwärmung gestoppt werden. Schwein gehabt! Und wenn doch? Dann werden aus den Verlierern Rächer. Aus den Vergessenen werden Leute, die sich in Erinnerung bringen. Schauen wir uns die AKP-Anhänger doch an, die grölend die Wiedereinführung der Todesstrafe fordern und jeden Anhänger der Opposition pauschal zum Staatsfeind erklären. Auch in den USA werden wir noch Hetzjagden auf Homosexuelle, Ausländer und andere Minderheiten sehen. Wir werden zuschauen, wie die Abgehängten triumphierend den blasierten arroganten Arschlöchern ins Gesicht rülpsen. Werden es in Deutschland bei den Wahlen 2017 eher die 18 oder die 37% sein?

PS: Die Abbildung im Header ist von http://creativesocialworker.tumblr.com/, einem großartigen Blog über die didaktischen “Tricks” von Sozialarbeitern. 🙂