“[…] Du bist sooo ideologisch! Dabei ist doch heute alles so vielfältig. Die Zeiten der Ideologie liegen doch hinter uns! Du suchst jemanden, der genau so ist wie du. Und wenn du ihn fändest, könntest Du ihn vermutlich nicht mal leiden. […]”

Skalpell bitte – nee, kein Tupfer nötig

Wenn einem der Wind dermaßen heftig entgegenbläst, dann lohnt es sich darüber nachzudenken, warum das so ist. Nicht ganz sicher bin ich mir, ob mein Gegenüber genau diese Art der Aufarbeitung beabsichtigt hat. Ich glaube nicht. Im Gegenteil – vermutlich bringen mir die vielen Recherchen und Gedankengänge eher das Prädikat “verkopfte Rechthaberei” ein.

Aber es sind schließlich Argumente, die mir entgegengeworfen werden. Diese Argumente müssen fein säuberlich zerlegt, auf ihren Gehalt geprüft, bezüglich ihres Zutreffens evaluiert werden und dann entweder

  • als unbegründet zurückgewiesen, (üblicherweise : 60%)
  • als “won’t fix!” zur Kenntnis genommen werden, samt unterwürfigem “So bin ich nun mal, bitte akzeptiere das!”-Blick (üblicherweise : 10%) oder
  • als “Ich hab mich blöd verhalten. Ich ändere das!” akzeptiert werden. (üblicherweise : 30%)

Satz für Satz in der für die Argumentationslinie hilfreichen Reihenfolge

“Dabei ist doch heute alles so vielfältig”

Was ist mit “vielfältig” gemeint? Ich stelle mal die Vermutung an, das die Anklägerin meint, wir lebten in einem pluralistischen Land, in dem ganz vielfältige Lebensweisen aufeinanderträfen.

Was ist Pluralismus? Pluralismus geht davon aus, dass sich Individuen und Gruppen gemäß ihrer Interessen zusammenschließen. Gemeinsam kann man dann mit denen, die andere Interessen haben, einen Kompromiss oder einen Ausgleich finden.

Fazit

Der Pluralismus steht und fällt damit, dass genügend Menschen sich ihrer Interessen bewusst sind und dass sie sich mit anderen zusammenschließen, die dieses Interesse teilen. Auf diese Weise kann jeder am Austausch der Argumente und an der Suche nach Lösungen und Kompromissen teilnehmen.

Pluralismus bedeutet zur Abgrenzung nicht, dass ein Individuum viele Interessen gleichzeitig hat oder haben sollte. Es bedeutet nicht, dass Interessen keine Rolle mehr spielen. Schon gar nicht geht es darum, dass jeder für alles offen sein sollte. Es bedeutet auch nicht, dass alles gar nicht so wichtig ist, solange man sich einfach lieb hat und eine gute Zeit hat. Pluralismus betrifft auch nicht die einzelne Gruppe. Er betrifft das Zusammenspiel und Zusammenwirken der Gruppen an sich.

Der Vielseitigkeitsvorwurf, sofern meine Deutung korrekt ist, dass Pluralismus damit gemeint ist, geht also von einem inkorrekten Bezugsrahmen aus. Ja, vielleicht gibt es heute viele für die irgendwie alles irgendwie gültig und berechtigt ist. Aber das hat mit Pluralismus nix zu tun. Das ist nur eine sehr vage undefinierte Lebenseinstellung.

Die Zeiten der Ideologie liegen doch längst hinter uns!

Wie kann man denn heute noch ideologisch sein? Die großen Ideologien sind doch alle tot? Der Faschismus, der Kommunismus?

Philosophen wie Jean-François Lyotard vermuten, der Pluralismus selbst könne die Bildung von Ideologien, zumindest von großen staatstragenden Ideologien, verhindern. Der Umstand, dass viele tausende Gruppen in Diskurse verwickelt sind, sich um Verständnis bemühen, Kompromissen entgegenstreben, im Zweifel mit der Koexistenz Vorlieb nehmen, das verhindere eine große gemeinsame “Erzählung”, eine große gemeinsame Idee, außer die Idee dieses Pluralismus selbst.

Erzkonservative leben neben Sozialisten und arbeiten beim neoliberalen Kapitalisten, der Altarschmuck für Gläubige unterschiedlichster Religionen herstellt. Sie teilen zwar ihre Ideologien nicht, aber sie schwächen sie soweit ab, bis sie friedlich miteinander leben können. Ist doch eigentlich schön, oder?

Die Philosophen Slavoj Žižek und Herbert Schnädelbach betonen hingegen, eine der idealen Grundbedingungen für eine Ideologie sei die Annahme, dass es keine Ideologie gebe. Schnädelbach zieht die Schlussfolgerung:

„Die vollkommene Anpassung des Bewusstseins und seine objektive Unfähigkeit, sich Alternativen zum Bestehenden auch nur vorzustellen, ist die Ideologie der Gegenwart.“

Žižek kommt zum Ergebnis, dass es neben aller gewollter Vielfalt heute ideologische Begründungen im alltäglichen Diskurs gibt, die als unumstößliche Wahrheiten akzeptiert würden und somit ohne offensichtlichen Zwang durch die Politik den sozialen Prozess bestimmten.

Was könnten solche Wahrheiten sein?

  • Wer viel arbeitet, der wird reich. Der fleißige Tellerwäscher schafft es zum Millionär. (Nach Datenlage wird aber vor allem der reich, der erbt.)
  • Man muss Karriere machen, alle vier Jahre ein neuer Job, aufsteigen, die Hierarchie emporklettern. Auf jeden Fall sollte man sich immer so kleiden wie die Position, die man gerne einnehmen würde.
  • Arbeit ist nur Arbeit wenn sie sich wie Arbeit anfühlt. Das Leben ist ja kein Ponyhof.
  • Wir müssen aufpassen, dass wir gegen die anderen “gewinnen”, mehr Wachstum, mehr Bruttoinlandsprodukt, nur die besten Flüchtlinge raussuchen. Alles ist ein großes Nullsummenspiel und wenn wir nicht die sind, die gewinnen, dann profitieren die anderen.

Aber auch das gehört zu diesen Wahrheiten

  • Riskier Deinen Job nicht. Du bist doch kein Snowden! Mach einfach Deine Arbeit, ohne all zu viel drüber nachzudenken. Die Familie / das Reisen / die Wellness / die Freunde / die Hobbies sind viel wichtiger.
  • Klar sind Deine Klamotten von Kindern gemacht und die Firma, die Dein Lieblings-Mineralwasser herstellt, enthält Menschen in Südafrika und Südamerika wertvolles Trinkwasser vor… hm… ist halt die Globalisierung *hilflos Schulter zuckt*.
  • Heute haben wir mit unserem SUV wieder im Biomarkt eingekauft.
  • Politik? Interessiert mich nicht. Ich les’ keine Nachrichten.

Was ist das Ziel der “Das ist doch keine Ideologie”-Ideologien?

Nun, man könnte zynisch zum Ergebnis kommen, dass die meisten davon dafür sorgen, dass der Hamster schön in seinem Hamsterrad bleibt und gar nicht erst auf die Idee kommt, seine Interessen zu erforschen. Oder es geht (zweiter Teil) darum, dass der Hamsterrad wenigsten nicht all zu aktiv wird.

Klingt nach Verschwörungstheorie? Eher nicht. Es ist ja kein böses Weltbeherrscher-Gremium, sondern es sind die Hamster selbst, die eigentlich ganz zufrieden und ausgelastet damit sind, ihr Hamsterrädchen zufrieden weiterzudrehen. Und wenn sich das Rädchen mal etwas langsamer dreht, dann wird die Existenzangst die Schrittfolge schon wieder beschleunigen.

Fazit

Mag sein, dass die großen staatstragenden Ideologien zu einem Ende gekommen sind. Vielleicht wurden sie auch ersetzt durch eine Schädelbachsche “Anti-Ideologie”. Um das herauszufinden, ist es also gar nicht so schlecht, sich zu fragen, welche Hamsterräder man eigentlich antreibt und ob man das wirklich so will. Folge ich unbemerkt einer Ideologie? Kann ich mir eine Ideologie ausdenken, der ich gerne folgen würde? Was genau ist das jetzt genau, eine Ideologie?

Du bist sooo ideologisch!

Damit wären wir jetzt also inmitten der Hauptanschuldigung. Aber wir müssen endlich damit aufhören, mit dem Wort “Ideologie” um uns zu werfen, ohne zu wissen, wovon genau wir reden.

Was ist eine Ideologie?

Diejenigen, die Lust auf eine lange Version haben, lade ich auf die Wikipedia-Seite zum Eintrag “Ideologie” ein. Dort werden zumeist sehr gut verständlich verschiedene Strömungen auseinandersortiert und Definitionen und Diskussionen rund um den Begriff abgebildet.

Für die Kurzversion: bei “Ideologie” geht es um die Lehre von den Ideen. Es geht darum, aus welchen Perspektiven man sich die Welt anschauen kann. Deshalb ist Ideologie und Weltanschauung weitgehend synonym. Historisch (“danke, Marx!”) hat die “Ideologie” gegenüber der “Weltanschauung” oft einen negativen Beigeschmack.

Aber wie ist’s denn nun? Geht es auch ohne Ideologie?

Jeder nimmt doch schon “von Natur aus” eine Perspektive ein. Man kann etwas frontal oder seitlich anschauen. Etwas perspektivlos anschauen, das geht nicht. Schon auf dieser platten Analogie basierend kann man ruhig in Zweifel ziehen, ob man die Realität wirklich “ideologiefrei” betrachten kann.

Aber stellen wir uns einfach einen Mann vor, der (wie im Titelbild) verschwitzt mit großem Hammer auf glühendes Metall einschlägt. Es würde immer eine Idee, eine Interpretation mitschwingen:

“Der Arme, der hat eine so harte Arbeit! …

  • … Hoffentlich wird der nicht ausgebeutet! Und der Boss kauft sich vom Gewinn nen neuen Porsche!” (contra Kapitalismus)
  • … Das könnte doch sicher auch eine Maschine für ihn erledigen. Und der Chef hätt’ auf lange Sicht Geld gespart!” (pro Kapitalismus)
  • … Naja, im ewigen Leben wird er die Belohnung für seine Mühen bekommen!” (pro Religion mit Konzept einer Belohnung im Jenseits)
  • … Ein fleißiger Helfer für unser aller Fortschritt und Wohlstand! Wenn ich doch nur was zum Malen hätte!” (pro Kommunismus? pro Faschismus?)
  • … Aber um seine Muckis beneide ich ihn schon.” (pro Körperkult, Hedonismus? Riefenstahl?)
  • … Hätte er was Gescheites gelernt, dann müsste er hier nicht so schuften!” (pro Elitarismus)
  • … Das könnte doch sicher auch eine Maschine für ihn erledigen. Dann könnte er sich weniger mühevollen Aufgaben zuwenden.” (pro Humanismus)
  • … Aber schau mal sein Gesicht. Er muss da richtig Spaß dran haben. Durch diese Art von Schlagfolge zusammen mit dem häufigen Abkühlen und Erhitzen bringt er dem Metall eine ganz spezielle Struktur bei. Das würd ich auch gerne können!” (pro Dilettantismus, im g20k-Sinne)

Ein Mensch “ohne Ideologie” ist also vermutlich jemand, der sich mal dieser, dieser oder jener Ideologie-Schublade bedient. Eben wie es gerade am besten passt! Heute bin ich religiös, morgen kapitalistisch und übermorgen tu ich mir als ausgebeuteter Arbeitnehmer leid. Kann man so machen. Ich selbst käme damit nicht klar.

Soll ich jetzt tatsächlich entscheiden, ob ich Kommunist oder Faschist bin?

Diese beiden sind ja nur die größten Krümel auf dem Teller. Das geht aber auch etliche Nummern kleiner. Gruppen oder Organisationen entstehen oft aus einem bestimmten Leitbild heraus, das am besten ausformuliert ist. Die Mitglieder haben ähnliche Erfahrungen gemacht, haben ähnliche Ideen, Erkenntnisse, Wertvorstellungen, Interessen. Die “Ideologie” definiert also das “Wir-Gefühl”, bildet den inneren Zusammenhalt.

Außenstehenden macht es das einfacher, weil sie schnell merken, ob sie so “ticken” wie die Gruppe. Neulinge wiederum können sie sich damit Zeit lassen, sich tausend spezifische Regeln zu merken. Es reicht ja meistens schon, sich im Zweifel im Sinne des Leitbilds zu verhalten.

Vermutlich macht es aber durchaus Sinn, mal so in der Mitte seines Lebens seine Erfahrungen zusammenzunehmen und sich zu fragen: gehör’ ich eigentlich einer bestimmten Ideologie an?

Muss nicht so eine Ideologie deshalb immer mal wieder kritisch hinterfragt werden?

Kommt ganz darauf an. Vermutlich kann man Ideologien und vor allem ihre Anhänger danach einordnen, ob sie eher dogmatisch / pseudowissenschaftlich oder eher empirisch / wissenschaftlich orientiert sind.

Die Dogmatiker und Pseudowissenschaftler, so der Wissenschaftsphilosoph Philip Kitcher, versuchen Beweise zu finden, dass sie richtig liegen und ignorieren Fakten, nach denen sie falsch liegen. Zudem wollen sie die Erklärungsversuche der Gegner nicht widerlegen, sondern am liebsten zerstören. Es geht nicht darum, neue Einsichten zu gewinnen, sondern die eigene Ideologie zu pushen.

Dagegen sind Empiriker zumindest theoretisch Karl Poppers Falsifikationsprinzip verpflichtet: Es ist so gut wie unmöglich, im positiven Sinne etwas zu “beweisen”. Deshalb ist es die Aufgabe wirklich kritischer Geister, nicht nach Bestätigung, sondern nach Verwerfung zu suchen. Um es mit dem berühmten Spruch zu sagen: “Es sind nur so lange alle Schwäne weiß, bis irgendjemand irgendwo den ersten schwarzen Schwan gefunden hat.

Popper gibt zur Ideologiekritik zudem fünf Punkte mit, auf die immer mal wieder geprüft werden sollte, wenn man nicht auf dem Holzweg landen möchte:

  • Werden an irgend einer Stelle dogmatisch absolute, unumstößliche Wahrheiten behauptet?
  • Sind Leitlinien so so abstrakt und verschwommen aufgebaut, dass sie zwar bestimmt klingen, aber eigentlich beliebig interpretierbar sind? (“Immunisierung gegen Kritik“). Selbst Begrifflichkeiten wie Gott, Naturrecht oder Gerechtigkeit sind ohne eine genaue Definition so weit fassbar, dass man fast alles mit ihnen begründen und rechtfertigen kann.
  • Werden rund um Misserfolge oder Probleme Verschwörungstheorien geknüpft?
  • Wird die Einschätzung noch geteilt, dass Utopien und Ideale unerreichbare Ziele sind, aber dass es sich lohnt, sich an ihnen zu orientieren? Oder – und das wäre kritisch – gibt es “magische Bedingungen” oder “umzusetzende Schritte”, die ganz unmittelbar zu utopischer Harmonie führen würden?
  • Werden Werturteile als Tatsachen behandelt? Werden Gefühle und Meinungen auf eine Ebene mit Fakten gestellt? D.h. hält das “Postfaktische” Einzug?

Fazit

Ja, ich bin ideologisch, einfach weil 40 Jahre Leben gereicht haben, dass ich weiß, wo und wofür ich stehe und wofür ich mich einsetzen will. Gerade weil ich den Eindruck habe, dass man das heute nur noch bei wenigen weiß, gerade deshalb ist es mir so wichtig. Zudem denke ich, dass jede* zumindest ein bisschen in sich gehorcht haben sollte, welchen Ideologien er oder sie folgt.

Du suchst jemanden, der genau so ist wie du.

Will ich jemand finden, der genau so ist wie ich? Es dauert etwas, bis es mir gelingt, das emotional dahingeblökte “Nein!” mit Argumenten zu untermauern. Was genau sind meine Userstories?

Userstories

Zum einen wünsche ich mir, dass ich das mit anderen zusammen genießen kann, was ich momentan meist alleine genieße. Arbeiten, Gedanken austauschen, durchatmen, dazulernen, Dinge entdecken und in Erfahrung bringen. Kurz: Ich wünsche mir einen produktiven SafeSpace, in dem ich mich nicht nur alleine aufhalte.

Die zweite Anforderung kann gern mit der ersten zusammenfallen, aber sie steht auch für sich alleine: ich würde gern viel öfter

  • überrascht,
  • selbst zum Lachen gebracht,
  • durch neue Ideen und Perspektiven aus meiner Komfortzone gerissen,
  • herausgefordert.

Am liebsten wäre es mir, das geschähe im Kreis von Freunden. Grundsätzlich ist mir aber eigentlich egal, durch wen es passiert. Wichtig ist nur, dass es passiert.

Was bedeutet das jetzt für Menschen, die ich gern treffen würde? Unter welcher Art von Menschen fühle ich mich wohl?

In welchen Punkten ich mir viele Ähnlichkeiten wünsche

Ich suche Menschen, die das mitbringen, was ich – falls mich meine Selbstwahrnehmung nicht täuscht – auch mitbringe. Ich suche Menschen, die

  • sich im richtigen Maße Unsicherheit und Demut bewahrt haben, zugeben wenn sie falsch liegen, nicht auf Äußerlichkeiten und Wettbewerb aus sind, das Gespräch über Ideen mehr schätzen als das über Personen und Ereignisse.
  • ein wissenschaftliches Weltbild haben, in dem Theorien, Hypothesen und Fakten eine wichtige Rolle spielen. Alles andere ist subjektiv. Das kann auch spannend sein, aber halt vor allem dann, wenn es zur Illustration, Argumentation und Beschreibung verwendet wird
  • Lust haben, sich argumentativ aneinander zu reiben, die darum kämpfen, genau den Punkt zu finden, an dem die Meinungen auseinandergehen, die auch aus dem Dissens etwas Positives ziehen können, die kein Interesse an oberflächlicher Harmonie haben
  • deren Blick über das eigene Leben und das der Familie hinausgeht, die auf einer politischen und gesellschaftlichen Ebene denken
  • sich vielseitig interessieren. Menschen, die es nicht seltsam finden, Querverbindungen zwischen Musik und Physik und Computerspielen und Geschichte und Philosophie und Malerei aufzubauen.
  • klar kommunizieren, sagen wenn etwas stört, bei einem zickigen Tag vorwarnen, nicht alles auf die Goldwaage legen
  • einen Puffer an Wohlgesonnenheit mitbringen, um Meinungsverschiedenheiten und Missverständnisse zu überstehen.

Fazit

Wenn ich das so überschlage, dann mag das schon sein, dass da nur sehr wenige Menschen übrig bleiben. Aber ich wage zu behaupten, dass das noch lange nicht heißt, dass diese Menschen “genau so wie ich wären”. Man könnte nur wunderbar mit ihnen Pläne schmieden, zusammenarbeiten, sich den Kopf rot diskutieren und etliche Kaffees und Biere trinken.

Und wenn du ihn fändest, könntest Du ihn vermutlich nicht mal leiden.”

Stephen W. Hawking schreibt in seinem Buch “Eine kurze Geschichte der Zeit” im Rahmen einiger Überlegungen zum Thema ‘Antimaterie’:

“Doch sollten sie ihrem Anti-Selbst begegnen, geben sie ihm nicht die Hand. Sie würden beide in einem großen Lichtblitz verschwinden.”

Es ist eine spannende Frage, ob sich an dieser Stelle die Physik auf die Psychologie übertragen lässt. Wenn es – leider – um das gleiche Geschlecht geht, dann kommen mir unweigerlich die Star Trek Next Generation – Folgen in den Sinn, in denen Commander Riker durch einen Beam-Unfall plötzlich doppelt existiert. Gut, sie beide haben sich jetzt nicht direkt gegenseitig vernichtet. Bedingt durch das männliche Bedürfnis, sich abzusetzen und sich all zu leicht als im Wettbewerb befindlich wahrzunehmen, war die Beziehung aber auch nicht all zu sehr von Herzenswärme geprägt.

Fazit

Egal, ob es um die gleiche oder – wahrscheinlicher – ziemlich ähnliche Personen geht: es wird von beiden Seiten das Bewusstsein nötig sein, dass zwei nicht auf den Mund gefallene, unangepasste und noch dazu höchst reaktante Personen viel Geduld mit sich haben müssen. Andererseits wären der doppelte Humor, das doppelte Lachen, die offene gegenseitige Kritik, die doppelte Anzahl an unkonventionellen Sichtweisen und der direkte Widerspruch bei Betriebsblindheit auch eine ziemlich produktive Mischung samt Spaß-Garantie, auch wenn vermutlich auch immer mal wieder die Fetzen flögen.

Quellen:

http://evakreisky.at/onlinetexte/nachlese_ideologie_ideologiekritik.php

https://de.wikipedia.org/wiki/Ideologie

http://www.zeit.de/2014/41/wissenschaft-definition/seite-2

https://www.sapereaudepls.de/was-kann-ich-wissen/skeptizismus/letztbegründung/