Schade, dass “die Geschichte” keine Wetten annimmt. Dabei ist es eins der spannendsten Dinge, hinsichtlich der Zukunft Wetten abzuschließen! Ich hoffe mal, dass bei der unten stehenden Wette nicht zu sehr der Wunsch der Vater des Gedanken ist. Wettet jemand dagegen?

Eine Wette…

Wetten, dass sich freies Handwerk, freier Handel und die Dienstleistung gegen Geld als effektiver und zudem für den sozialen Frieden als hilfreicher erweisen als Sklaverei, Leibeigenschaft und Frondienst?

Diese blutige Wette lief über Jahrhunderte und kann wohl seit der Hanse, den mittelalterlichen freien Städten und vieler Errungenschaften mehr als gewonnen gelten.

Noch mehr Wetten…

Wetten, dass ein offenes kapitalistisches System mit vielen Handelspartnern effektiver ist als eines, das zentral geplant und gesteuert wird? Wetten dass Vielfältigkeit und Leistungsorientierung besser für die wirtschaftliche Entwicklung sind als Partei-Zugehörigkeit und der argwöhnische Blick, ob der andere nicht doch ein bisschen gleicher als gleich behandelt wird?

Auch hier kann man wohl angesichts der sehr wenigen verbliebenen Regime des “alten kommunistischen Schlags”, der nie so richtig kommunistisch war,  von einer gelungenen Wette sprechen.

So frage ich mit Monty Python:

Was haben Handel und Kapitalismus jemals für uns getan?

  • Selbstbestimmung
  • Gewerkschaften und Arbeiterrechte
  • wissenschaftlichen und technischen Fortschritt
  • relativ breiten Wohlstand (zumindest gegenüber den Alternativsystemen, nicht absolut gesehen)

Aber nicht minder große Aufgaben bleiben!

  • Wie kriegt man Umweltzerstörung, Klimaerwärmung und die Verschmutzung von Trinkwasser und anderen natürlichen Ressourcen in den Griff, wenn es doch so sehr profitabel ist, sich über Reglementierungen hinwegzusetzen?
  • Wie begegnet man den schädlichen, aber sehr gewinnträchtigen Interessen einiger weniger Unternehmer und Lobbyisten, vor allem wenn ihnen Millionen Einzelne gegenüberstehen, für die nur in der Summe, aber nicht für jeden Einzelnen empfindbar viel auf dem Spiel steht? (Beispiel Tabak- oder Fracking-Lobby)

Und manches liegt schlichtweg “außerhalb” des Systems

Das Wirtschaftssystem mit Werten und Verantwortlichkeit zu überfrachten ist in etwa so realistisch wie bei “Mensch ärgere dich nicht” zu erwarten, dass der Mitspieler nicht die Figur vom Spielfeld kegelt, wenn ihm die Augenzahl auf den Würfeln die Chance dazu bietet. Ein Spiel wird nach den Regeln gespielt. Die Regel der Wirtschaft lautet, dass Gewinn maximiert werden muss, wenn sich die Gelegenheit bietet und nichts dagegen spricht, was für das Geschäft schädlich wäre. Es geht um Gewinn, es geht um mehr. Es geht um Angebot und Nachfrage. Vielleicht noch ein bisschen Greenwashing, für das Image. Punkt.

Entsprechend wird sich innerhalb des Wirtschaftssystems  nie befriedigende Antworten auf die folgenden Fragen geben:

  • Wie lasse ich möglichst viele am Wohlstand teilhaben, d.h. wie werden die Stücke des Kuchens bei möglichst geringer Einmischung möglichst gleich groß?
  • Wie verhindere ich, dass des einen Wohlstand auf des anderen Ausbeutung gründet und wir dadurch doch wieder bei moderner Sklaverei und Frondienst enden?
  • Sollte es nicht Güter geben, die den Gesetzen von Angebot und Nachfrage nicht unterworfen sind? Bildung zum Beispiel? Oder die Versorgung mit Wasser und Strom?

Aber ist das Problem nicht ein viel vageres und nebulöseres?

Ich hatte bereits über extrinsische und intrinsische Motivation gesprochen. Das größte Problem in meinem Augen ist, dass das kapitalistische Denken die Orientierung an extrinsischen Beweggründen bis in den hintersten Winkel des Bewusstseins spült.

Was springt für mich dabei heraus? Was habe ich davon? Wie könnte man dieses oder jenes zu Geld machen? Die Kleinen saugen es schon aus der Muttermilch auf. Und selbst in den Universitäten kriegen es alle eingebläut: publizieren, publizieren, publizieren! Funktionieren! Return of investment! Die kosten wieder einspielen! Wenn’s nicht mehr läuft, einfach mal ne Ritalin einwerfen oder die Nase pudern. Auf jeden Fall aber dem vorgesetzten Vorgesetzten gehorchen. Und bitte bitte immer das Happiness-Armbändchen tragen. Hätten Sie als Endstation lieber Burn-out oder Bore-out?

Aber mal hin zum Positiven: Können Kreativität, Wissbegierde, Neugier, Drang zum Perfektionismus und Stolz auf eine gute Arbeit wirklich durch extrinsische Belohnung angefeuert werden? Oder sind wir auf dem besten Weg, gerade die Achillesferse des kapitalistischen Denkens zu entdecken? Müssen wir vielleicht im Gegenteil froh sein, dass sich viele ihre gute Arbeit und ihren Idealismus noch nicht durch extrinsisiche Anreize haben kaputt machen lassen?

Ohne Geld geht nichts – und das ist auch gut so

Etwas für eine Leistung verlangen und es dann auch bekommen, heißt schließlich: ich habe etwas produziert oder gemacht, das für den anderen einen Wert hat. Das ist gut! Und schließlich kommt selbst beim Bedingungslosen Grundeinkommen das Geld vom Staat und muss irgendwie wieder “reinkommen”.

Andererseits hört bei Geld nicht nur die Freundschaft auf. Auch das Arbeiten am gemeinsamen Ziel (wenn nicht gerade das Geld das Ziel ist), der Fluss der Ideen, die Kreativität, die Freude am Gestalten nehmen Schaden, sobald das Geld zum Thema wird. Viele versuchen, so wenig wie möglich übers Geld zu reden, weil damit oft die Ungleichheit, die Missgunst, das Feilschen und der mögliche Gewinn auf Kosten des anderen in die Situation kommen.

Ich hätte da eine neue Wette…

Wetten, dass es für den Bereich, in dem es auf Engagement, Kreativität und Ideen ankommt, sinnvoll wäre, gesellschaftliche “Blasen” zu schaffen, in denen alles so eingerichtet ist, dass die existenziellen Probleme keine Rolle spielen? Wetten, dass es sehr viel Sinn ergibt, alle Energie auf die Ziele zu fokussieren: lernen, lehren, herumspielen und herumexperimentieren und schließlich etwas schaffen?

Bleibt die Frage, wie das gehen kann.

Großbetriebe – sind das nicht solche “Blasen”

Es gibt Leute, die behaupten, viele größere Firmen würden mit dem Wachstum immer fragmentierter und die Prozesse immer kleinteiliger und abstrakter bis sich schließlich für viele Mitarbeiter genau dieses Blasen-Gefühl ergibt. Ich tue hier etwas, von dem ich gar nicht so genau weiß, was es einbringt und ob etwas fehlen würde, wenn ich es nicht mehr täte und ich bekomme Geld dafür, fast unabhängig davon, ob ich mich jetzt sehr, oder nur ein bisschen oder eher jetzt nicht anstrenge. Politik und Einfluß-Sphären sind die bestimmenden Elemente, grüne Ampeln auf Powerpoint-Charts, große Excel-Dateien auf Netz-Laufwerken. Und bitte ja nicht zu sehr gegen den Kurs reden und steuern, nicht zu sehr querschießen.

Ja, das sind auch Blasen, die aus sich selbst heraus aufrecht gehalten werden, die von guten Ideen zehren, die 15 Jahre vorher gemacht wurden. Aber diese Art von Blasen, in denen man sich zwischen Burn- und Boreout bewegt und in denen der Einzelne das Gefühl hat, kaum etwas am gesamten Kurs ändern zu können, meine ich nicht.

Die römisch-katholische Kirche – auch so eine Blase

Es ist majestätisch, wenn man – am besten ausgelaugt, erschöpft und schwer bepackt – den Berg nach Vierzehnheiligen hinunterkommt. Dort zwischen den Baumkronen hindurch, wo jetzt die Türme hervorblitzen, dort ist Brotzeit und Bett.

Fast könnte man neidisch werden, dass es die Kirche ist, die solche epischen Gebäude aus dem Boden wachsen lässt. Auch die  Wallfahrtskirche in Oropa im Piemont ist so ein fast mystischer Ort mit einer wunderschönen Architektur für die Ewigkeit.14925809_10210681398612366_1532932870775190325_n

Aber diese Orte sind ja eben nicht aus dem Boden “gewachsen”. Es waren  und es sind viele fleißige Hände, die Kathedralen gebaut haben. Andere haben alle möglichen Betriebe gegründet, Apotheken, Läden und Gaststätten eröffnet, Pilgerhäuser, Bildungshäuser, vielleicht sogar Schulen und Krankenhäuser betreiben. Oft waren und sind es die Hände eines Kirchenoberen oder einer Äbtissin und zudem die vieler Nonnen und Mönche.  Ganz nebenbei wurden dadurch nicht nur religiöse, sondern auch wirtschaftlichen Oasen geschaffen. Immerhin erwirtschaftet die Katholische Kirche mit über 80 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr in Deutschland mehr als zum Beispiel Siemens.

Die Kirche ist also gewissermaßen eine Blase, in der sehr viele Menschen mit gemeinsamen Ideen bei einem relativ niedrigen Einkommen für ein höheres Gut wirtschaften. Dazu sichern sie sich dabei gegenseitig ab und sorgen für gemeinsame Infrastruktur.

Solche Blasen muss man doch auch anders bewerkstelligen können

Lässt sich der Glaube nicht ersetzen – durch einen breit angelegten Humanismus, zum Beispiel? Wäre es nicht ein ausreichend starkes Band, gemeinsam menschliche Errungenschaften wie Wissenschaft, Kunst und Technik zu pflegen? Und dazu Pluralismus, Solidarität, Demokratie, Diskussion und Konsens hoch leben zu lassen?

Wäre nicht schon viel zu bewegen, wenn man sein Einkommen freiwillig nach oben hin begrenzen würde? Man könnte ja mal bei 2000€ anfangen. Alles, was darüber hinausgeht, kommt in einen zweiten Geldbeutel; einen, der zwar der Person zuordenbar ist, dessen Inhalt aber für alle bestimmt ist. Für eine solidarische Kranken- und Haftpflichtversicherung zum Beispiel, für den gemeinsam besprochenen Erwerb von Maschinen, Gebäuden, Servern. Und natürlich dafür, ein Grundeinkommen zu bezahlen, selbst wenn man mal nicht tätig und aktiv sein kann (oder will).

Zudem sind aus wirtschaftlicher Sicht alle Beteiligten natürlich daran beteiligt, wohin die Reise gehen soll. Das betrifft Kurs-Korrekturen im großen Ganzen oder Einzelentscheidungen im Kleinen. “Ja, ich sollte von meinem öffentlichen Geldbeutel 60% in “Infrastruktur und Absicherung” investieren. Aber zahl ich mehr in den Topf für die Grundsicherung ein? Oder beteilige ich mich doch mehr bei den Rücklagen für den Grundstückkauf?”

Aber das geschieht halt immer wieder episodisch, wie bei einem, der immer wieder alle paar Minuten aus dem Wasser auftaucht, um zu schauen, ob sich das Schiff noch in Reichweite befindet.

Spricht nicht g20k die ganze Zeit von…

Korrekt! g20k spricht eigentlich die ganze Zeit von solchen “Blasen”, ohne das Wort bisher benutzt zu haben.

Leuchtet die Wette ein? Ist sie angenommen? Wann geht es los?