Der nicht dumme und doch wirklich besorgte Bürger kann in vielen Punkten, die das Enstehen der Flüchtlingskrise betreffen, durchaus mit dem "Gutmenschen" völlig einer Meinung sein. Die Meinungsdiskrepanzen treten in völlig anderen Aspekten auf.


Weihnachtszeit, Reisezeit!

Kaum ist man zu Hause auf dem Lande und schon versteht man leidlich notgedrungen den “wirklich besorgten Bürger” etwas besser, nun, da sich dieser plötzlich räumlich im direkten Umfeld befindet.

Die Ursachenbewertung – völlig gleich

Das wirklich Bizarre ist, dass die Problemanalyse des Unbesorgten mit dem Besorgten nahezu zu 100% identisch sein kann. In dieser muss der Unterschied also gar nicht notwendiger Weise liegen:

Die Politik hat es versäumt sich vorzubereiten, hat Italien und Griechenland über Jahre dank Dublin III mit den Flüchtlingen allein gelassen, hat europaweit für keine einheitlichen Standards zum Thema Asyl gesorgt, hat dem UNHCR das Geld nicht überwiesen, um in heimatnahen Flüchtlingslagern eine Perspektive zu bieten, hat Bürgerkriege schwelen und Daesh (aka IS) entstehen lassen und politische Spannungen durch Waffenlieferungen in Krisengebiete an quasi-diktatorische Regime verschlimmert.

Hier differiert der besorgte Bürger

Der Geburtsort – reines Glück vs. völlig verdient

Wo aber die unbesorgt Seite mit den Menschen, die jetzt kommen, bereits gelernt, gearbeitet und gefeiert hat und weiss, dass es überall auf dem Planeten nette, intelligente, lernfähige Menschen gibt und halt auch immer ein paar Arschlöcher und dass es hauptsächlich aufs Glück ankommt, ob ich per sanfter Unterwassergeburt oder auf der dreckigen Pritsche eines Pickups auf die Welt komme, herrscht auf der anderen Seite ein (oft latentes) Bewußtsein, dass es per se Menschen erster und zweiter Klasse gibt, im besten Falle sind’s die “wunderbaren Neger”, die dann vom Hinterstübchen auf die Zunge rutschen.

 Ärmel hoch vs. mimimimimiiii

Wo die einen optimistisch die Ärmel hochkrempeln, zaudern, jammern und zyneln die anderen und poltern, dass der Fisch vom Kopf her stinkt, würden es aber vermutlich genau so wenn nicht noch viel schlimmer machen, würden sie an den Kopf des Fisches gewählt…

Fremdschämen vs. darauf warten, dass sich die Befürchtungen erfüllen

Wo sich die einen über das Scheitern der Bürokratie vor einem Berliner LaGeSo aufregen und sich fremdschämen, ärgern sich die anderen über Schlägereien in Notunterkünften, als ob das ein Wunder wäre bei 700-2000 Leuten auf engstem Raum und fragen sich, ob da nicht vielleicht doch was dran ist, an der Lügenpresse.
Wo die einen hoffen, dass zusammen mit den Flüchtlingen vielleicht auch mal ein Ruck durch die Bildungs- und Ausbildungsinstitutionen geht, malen die anderen den Teufel an die Wand, dass mit den Flüchtlingen jetzt genau das schlimm wird, was genau genommen schon seit Jahrzehnten stark unterfinanziert ist.
Während sich die einen die Ärmel hochkrempeln und mit einem “könnte, könnte” herumplanen, zaudern die anderen mit “hätte und wäre”.

Die Wintersonnenwende ist geschafft. Die Tage werden wieder länger. Hoffnung. Weihnachten. Frohes Fest euch allen!